Seit 15 Jahren gibt es in der Goldegger-Straße in St. Pölten ein Wohnangebot, das Selbstständigkeit nicht als Gegensatz zu Unterstützung versteht. Das Teilbetreute Wohnen des Vereins Wohnen wurde 2011 mit dem Ziel entwickelt, Menschen mit intellektueller Behinderung ein möglichst selbstbestimmtes Leben in einem eigenen Zuhause zu ermöglichen. Am 16. September wurde das 15-jährige Bestehen direkt im Wohnhaus gefeiert. „Selbstbestimmtes Wohnen ist ein wesentlicher Bestandteil gesellschaftlicher Teilhabe. Menschen mit Behinderung sollen die Möglichkeit haben, ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten und jene Unterstützung zu erhalten, die sie dafür benötigen“, erklärt Sozial-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister. „Das Land Niederösterreich unterstützt entsprechende Angebote und damit auch Strukturen, die individuelle Lebenswege und mehr Selbstständigkeit ermöglichen.“
Der Grundgedanke des Konzepts lautet: „So viel Begleitung wie nötig, so viel Eigenständigkeit wie möglich.“ Dahinter steht ein Verständnis von Unterstützung, das Menschen nicht möglichst viele Aufgaben abnimmt, sondern sie dabei begleitet, ihren Alltag entsprechend ihren eigenen Möglichkeiten selbst zu gestalten. „15 Jahre Teilbetreutes Wohnen zeigen uns, wie wichtig es ist, Menschen nicht auf ihren Unterstützungsbedarf zu reduzieren. Ein selbstbestimmtes Zuhause bedeutet, eigene Entscheidungen treffen zu können und Unterstützung genau dort zu bekommen, wo sie gebraucht wird. Gleichzeitig müssen wir offen dafür bleiben, Angebote gemeinsam mit den Menschen weiterzuentwickeln und an ihre Lebenssituationen anzupassen“, betont Patricia Grünauer, Geschäftsführung des Vereins Wohnen.
Das Teilbetreute Wohnen ist keine klassische Betreuungseinrichtung. Die Bewohnerinnen und Bewohner leben in ihrem Zuhause und erhalten jene Unterstützung, die sie für ihren Alltag benötigen. Dazu können – entsprechend dem jeweiligen individuellen Bedarf – beispielsweise die Organisation des Alltags, Haushaltsführung, finanzielle Angelegenheiten, Konfliktbegleitung, Freizeitaktivitäten oder Unterstützung bei Behördenwegen gehören. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Frage, was jemand nicht selbst erledigen kann. Entscheidend ist vielmehr, welche Unterstützung notwendig ist, damit möglichst viel Eigenständigkeit erhalten bleibt und weiterentwickelt werden kann.
„In der täglichen Arbeit geht es immer wieder darum, die richtige Balance zu finden: Wann braucht jemand Unterstützung und wann ist es besser, Raum für Eigenständigkeit zu lassen? Nach 15 Jahren wissen wir, dass diese Antwort nicht für alle Menschen gleich ist. Genau deshalb müssen wir aufmerksam bleiben, zuhören und unser Konzept gemeinsam weiterentwickeln“, sagt Eva Baier, Geschäftsfeldleitung.
Weitere Informationen: Büro LR Teschl-Hofmeister, Pressesprecher Mag. (FH) Dieter Kraus, Telefon 02742/9005-12655, E-Mail: dieter.kraus@noel.gv.at
Rückfragen & Information
Landesamtsdirektion/Öffentlichkeitsarbeit Mag. (FH) Kathrin Vollkrann Telefon: 02742/9005-12312
E-Mail: presse@noel.gv.at
Landhausplatz 1
3109 St. Pölten
