Kurz vor dem Erntebeginn wachsen nicht nur die Weizenähren, sondern auch die Sorgen bei den heimischen Bauern. Landesvize Stephan Pernkopf zeigte Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig einen Betrieb in Lassee im Marchfeld und erklärt: „Wir haben hier bis zu 40 Prozent weniger Niederschlag, das bedeutet schlechte Ernteerträge. Gleichzeitig sind die Markterlöse niedrig und die Preise für notwendige Betriebsmittel wie Dünger hoch. Also eine extrem schwierige Situation, die für viele existenzbedrohend ist. Daher ist klar: Die Bäuerinnen und Bauern sichern die Versorgung mit Lebensmittel. Sie brauchen mehr und nicht weniger Unterstützung! Dazu fordere ich einen Importstopp für Lebensmittel, die nicht unseren Standards entsprechen!“
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig: „Die Trockenheit betrifft mittlerweile nahezu ganz Österreich. Unsere Bäuerinnen und Bauern blicken mit großer Sorge auf die anstehende Ernte. Die ersten Ergebnisse bei der Wintergerste liegen bereits deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt, und die aktuelle Hitzewelle verschärft die Situation zusätzlich.“ Experten rechnen mit Mindererträgen von bis zu minus 30 Prozent und mehr. „Klar ist, Versorgungssicherheit beginnt mit der Verfügbarkeit von Wasser und diese müssen wir auch in Zukunft gewährleisten. Deshalb schaffen wir mit der Gemeinsamen Agrarpolitik Planungssicherheit für unsere Bäuerinnen und Bauern, fördern Investitionen in effiziente Bewässerungssysteme und treiben die Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel konsequent voran. Dazu gehören nachhaltige Bewirtschaftungsformen, gesunde und humusreiche Böden sowie trockenheitstolerante Sorten,“ so Totschnig.
Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer NÖ erklärt: „Die Situation auf Niederösterreichs Feldern und Wiesen wird von Tag zu Tag kritischer. Die Pflanzen stehen unter enormem Stress, das Wachstum ist vielerorts deutlich eingeschränkt und wir müssen uns auf Ertragseinbußen einstellen. Besonders besorgniserregend ist, dass derzeit kein Wetterumschwung in Sicht ist. Um die Landwirtschaft besser gegen solche Extremwetterereignisse abzusichern, braucht es eine Stärkung von Risikoinstrumenten wie Dürreversicherungen und vor allem einen konsequenten Ausbau der Bewässerungsinfrastruktur. Nur mit resilienten Produktionssystemen können wir die heimische Lebensmittelversorgung auch in Zukunft sicherstellen und dafür sorgen, dass Bäuerinnen und Bauern auch künftig von ihrer Arbeit leben können.“
Christian Gasselich, Gemeindebauernratsobmann: „Die Sorgen sind sehr groß, ob und wie lange sich das für die Bauern noch rechnet. Die Agrarmärkte sind volatiler als die Aktienmärkte, dazu kommen Trockenheit und Dürre. Wir hatten seit März nur dreimal mehr als 10mm Regen. Wir brauchen fairen Wettbewerb und Unterstützung.“ Und an die heimischen Konsumenten appelliert er: „Vertraut auf unsere Produkte und unterstützt uns!“
Jeder zweite Acker Österreichs liegt in Niederösterreich, allein die vier Bezirke im Weinviertel haben so viele Ackerflächen wie ganz Oberösterreich. Dabei ist gerade das Marchfeld als Kornkammer Österreichs bekannt, in Lassee werden rund 4.000 Hektar Ackerland von 36 bäuerlichen Familienbetrieben bewirtschaftet, zwei Drittel der Flächen biologisch. Angebaut werden hauptsächlich Getreide, Gemüse, Erdäpfel etc. Doch die Situation ist angespannt, auch wegen dem Irankrieg sind die Dünger- und Dieselpreise extrem hoch. Gleichzeitig bleibt bei der Landwirtschaft wenig übrig, von jeder Semmel kommt nur ein Cent bei den Bauern an.
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